EUROPCAR: VOM AUTOVERMIETER ZUM MOBILITÄTSANBIETER

Die Autos, die Preise, die Ansprüche der Kunden an ihre Autovermietung: Vieles hat sich verändert seit 1927, als in Hamburg der Europcar Vorgänger Motor-Verkehrs-Union gegründet wurde. Aber eines ist gleich geblieben in diesen neun Jahrzehnten: Deutschlands großer Mobilitätsanbieter legt damals wie heute höchsten Wert auf Innovationskraft und besten Service.

„Hast du keinen, leih dir einen“: Dieser Imperativ bringt das Geschäftsmodell der Autovermietungen vom Anfang der Zwanzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts bis zum Carsharing-Trend der Gegenwart auf den Punkt. Der augenzwinkernde Slogan stammt zwar nicht von Europcar (sondern von dem einstigen Hamburger Konkurrenzunternehmen Severin & Lühr), besticht aber durch seine klare Botschaft. Vergangenheit und Gegenwart der Autovermietung in Deutschland fügen sich zu einer Geschichte von Individualität, Innovation, Mobilität und kundenfreundlichem Service.

Filiale der Autovermietung Selbstfahrer Union 1929 in Düsseldorf: Schon kurz nach der Gründung war der in Hamburg gegründete Europcar Vorgänger in den meisten deutschen Metropolen vertreten

Heute scheint das Auto seine frühere Funktion als Statussymbol zugunsten rein praktischer Nutzung immer mehr einzubüßen: „Kein Auto zu besitzen ist en vogue, zumindest in den Städten“, schrieb 2014 die Wochenzeitung „Die Zeit“. Ein Trend, den schon die Europcar Vorgängerin Selbstfahrer Union Deutschlands als Verkaufsargument heraufbeschwor: „Die Benutzung von Autos der S.U.D. kostet weniger als die eines eigenen Autos und erspart den mit der Eignerschaft verbundenen Zeitaufwand und Ärger“, heißt es in einer der ältesten Werbebroschüren. Der pfiffige Vergleich lautete: Es könnten sich ja auch nur wenige Menschen die Anschaffung eines eigenen Golf- oder Tennisplatzes leisten, „durch die Schaffung von Plätzen durch Vereine erfreuen sich heute aber Hunderte von Menschen der Spiele“ – eine bis heute stichhaltige Argumentation.

Autovermietungen ließen den Mobilitätstraum vieler Menschen wahr werden

Wie die Werbung dokumentiert: Die Nachfrage nach Mobilitätsangeboten ist beinahe so alt wie die Automobilität selbst. Beide wuchsen parallel. Zusätzlichen Schub brachten vor allem in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts soziale Umbrüche. Automobilität war nicht länger Zeitvertreib einer herumchauffierten Elite. „Selbstfahren“ hatte etwas mit Emanzipation zu tun, mit erstarkendem bürgerlichen Selbstbewusstsein und der Entstehung des Mittelstands. Schon Anfang der Dreißigerjahre waren Kunden, vor allem Touristen aus den USA und England, empfänglich für die in Broschüren verbreiteten Botschaften der Selbstfahrer Union: „Unabhängig von Fahrplan und Schienenstrang, und doch so schnell und bequem wie die Eisenbahn, ist das Auto als Reiseverkehrsmittel. Erst diese Unabhängigkeit und Freizügigkeit, verbunden mit größter Bequemlichkeit, schafft wahre Freude am Reisen.“

In den Fünfzigerjahren wurden die ersten Stationen an Flughäfen und Bahnhöfen getestet

Nach der Zäsur des Zweiten Weltkriegs wurden Autovermieter endgültig zu Dienstleistern „selbst fahrender“ Kunden. Neue Services waren gefragt, Stationen an Flughäfen und Bahnhöfen getestet. Wer Autos vermietete, musste mehr anbieten als nur einen Ersatzwagen im Reparaturfall. In den Fünfzigerjahren vergab die Selbstfahrer Union von ihren Hauptstandorten in Hamburg, wo bis heute die Zentrale ihren Sitz hat, Berlin, Frankfurt und München aus Lizenzen für weitere Standorte, um ihre Dienstleistung zu vereinheitlichen. Gleicher Preis für gleiches Angebot – diese Idee des „Networkings“ und der Verkettung von Services erwies sich als bedeutender Wettbewerbsvorteil. Er blieb dies bis ins digitale Zeitalter und ist der Antrieb für Innovation und weiteres Wachstum. 


Coole Cabrios, heiße Sportwagen und Edel-Limousinen beflügeln in der Autovermieter-Werbung seit den Siebzigerjahren die Kundenfantasie: „Man hat immer versucht, sich mit den Herstellern eng abzustimmen darüber, dass man möglichst früh an deren Innovationen kam, um zu sagen: Hier, haben wir“, berichtet Erich Braun-Egidius, langjähriger Mitarbeiter der Selbstfahrer Union. Gleichzeitig gilt: Um eine Flotte attraktiv für die Kunden zu halten, also jung und kostengünstig, müssen Wagen kontinuierlich wieder verkauft werden. „Unser Interesse war es immer, dass sich die Flotte schnell umschlägt“, erklärt Albrecht Tillmann, ehemaliger Director Sales bei Europcar. Das gelingt einerseits mit einem Marken-Proporz, der sich an den allgemeinen deutschen Zulassungszahlen orientiert. Andererseits werden seit den Achtzigerjahren im großen Stil sogenannte Buy-back-Verträge mit den Herstellern abgeschlossen. Sie garantieren, dass die Flotte nicht in die Jahre kommt. Schon nach sechs Monaten werden die Fahrzeuge an Hersteller oder entsprechende Verkaufsgesellschaften zurückgegeben.

Need for speed? Auch ausgefallene Modelle wie dieser Porsche 914, der sogenannte Volksporsche, gehören traditionell zur Europcar Flotte

Zur Europcar Flotte gehören seit Mitte der Sechzigerjahre auch Lkw bis 7,5 Tonnen. Aus heutiger Sicht unglaublich: Das damalige Unternehmen InterRent vermietete diese ab 1965 quasi illegal, das heißt gegen das Vermietverbot für Lkw. Die polizeilichen Anzeigen wegen unerlaubten Güterverkehrs nahm man bewusst in Kauf. Unter diesem Druck wurde schließlich der Bundesgerichtshof aktiv. Die Sicht der Richter war eindeutig, sodass sich die zuständige Bundesanstalt für den Güterfernverkehr auf einen Kompromiss einließ: Bis 7,5 Tonnen wurde die Lkw-Vermietung genehmigt – und das InterRent Blau bald ein allgegenwärtiger Anblick auf deutschen Autobahnen.

1984 wurde an der Tangstedter Landstraße in Hamburg eine neue InterRent Station eröffnet: Stolz präsentiert sich die Mannschaft vor einem der populären Miet-Lkw

Autovermieter müssen digital gut aufgestellt sein

Das Stadtbild vieler deutscher Großstädte wird heute durch ein weiteres Mobilitätsangebot geprägt, das 2011 als absolute Innovation in Hamburg an den Start ging: Die blau-weißen Flitzer von car2go sind in deutschen und vielen ausländischen Metropolen zwischen Rom und Berlin ein vertrauter Anblick. Der weltweite Erfolg dieser Kooperation von Daimler und Europcar spiegelt auch eine gesellschaftliche Veränderung wider: „Es wächst eine Generation heran, für die Verfügbarkeit wichtiger ist als Besitz, die auch bereit ist, sich in digitale Prozesse einbinden zu lassen und die vor allem erwartet, dass alles unkompliziert und verlässlich ist“, sagt Ingrid Johnson, Director Business Unit Public & RCM. Mit zwei Millionen registrierten Kunden weltweit – davon allein mehr als eine halbe Million in Deutschland – und 14.000 Fahrzeugen markiert car2go schon heute einen Meilenstein der Freefloating-Mobilität, und das vielfach mit zukunftsweisender Technik: In Stuttgart, Madrid und Amsterdam bestehen die car2go-Flotten ausschließlich aus Elektrofahrzeugen.

Ganz junges Mitglied der Europcar Familie ist seit 2015 das ehemalige Start-up-Unternehmen Ubeeqo. Ursprünglich gegründet als reine Carsharing-App, ist die Technologie-Tochter Teil eines komplexeren Projekts, das den Weg für künftige Mobilitätsangebote ebnen soll. Ziel ist es, Kunden optimale Reiseketten mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln und integrierter Buchungs- und Bezahlfunktion zu offerieren. Zu den größten Herausforderungen zählt dabei die Flexibilität des Systems bei Unterbrechungen im Verkehrsfluss. Ingrid Johnson resümiert: „Entscheidend wird in der Zukunft sein, dass die Verkehrsträger intelligenter ineinandergreifen und der Umstieg vom einen auf das andere Verkehrsmittel wesentlich schneller und unkomplizierter erfolgen kann.“

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Erich Braun-Egidius

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